Anna Achmatowa
Das "Requiem" von Anna Achmatowa war zu ihren Lebzeiten (1889 bis 1966) ein wohlgehütetes Geheimnis. Die russische Dichterin hatte dieses Poem für ihren Sohn verfaßt, der zur Amtszeit des Geheimdienstchefs Jeschow 17 Monate lang inhaftiert war. Nur wenige kannten den Text, niemand verriet die russische Dichterin. Vollständig konnte das Werk erst in der Zeit der Perestroika in der Sowjetunion erscheinen. Meine Nachdichtung von 1988/89 basiert auf einer Interlinearübersetzung von Dr. Heike Pfitzner. Die Arbeit, die ein dreiviertel Jahr in Anspruch nahm, wurde nach anhaltendem Fremdeln zum endgültigen Bruch, zu meinem eigenen Abschied vom real existierenden Stalinismus.
Joan Baez
Steine des Wegs und mit Murmeln spielen im Sand, bis uns eine Stimme mahnt: Kinder, kommt nach Haus. Steine des Wegs.
Brendan Behan
Nahe Macroom der November War grad achtzehn Tage alt. Khaki trugen die Soldaten. Die Transporter machten Halt. Wurden ehrenvoll empfangen von den Jungs der I R A: Wie die Handgranaten flogen, War das letzte, was sie sahn.
Bob Dylan
Ach, sag mir, mein Junge, was hast du gesehn? Ach, sag mir, mein Liebling, was ist dir geschehn? Ich hab ein Baby gesehen, von Wölfen umgeben, eine Straße voll Gold und ganz ohne Leben, einen Zweig, einen schwarzen, im roten Gedämmer, einen Saal voller Kerle mit blutigen Hämmern, eine schäumende Woge, die alles verschlungen, an die zehn Tausend Redner mit gespaltenen Zungen, scharfe Schwerter und Knarren in den Händen von Kindern: das ist hart, das ist hart, das ist hart, das ist hart, ein harter Regen, der bald auf uns fällt.
Bruno Aleksaner Kliec
Ach, Mexiko, du. Du, Paris. Und Zielona Gora jetzt auch - Die Stille dieselbe, die Nacht, das Licht der Laternen, der Rauch. Die Frauen bei uns sind oft nicht von kupferner Haut, sondern blaß. Vielleicht ist der Wodka hier kälter. Dazu gibt es Gurken vom Faß. Doch Liebe ist Liebe auch hier und Leiden genauso wie dort. Das beinahe wirkliche Flüstern trägt jeder im Ohr mit sich fort: Ich bin Paris. Ich bin dein Mexiko. Wovon du träumst, bin ich: Paris, dein Mexiko. Ich bin Paris. Ich bin.
Lefteris Papadopulos
Ein sonderbarer Mond fängt an zu sprechen. Wir werden, sagt er, keine Ruhe haben. Ein sonderbarer Mond beginnt zu weinen. Ein Weinen, schwarz, wie aus dem Herz gegraben.
Jannis Ritsos
Es kann kein Baum hier blühn, der nicht verdorrt, wenn der Himmel zerrissen wird. Es kann kein Stiefel, der das Land zertritt, einen Stein finden, der ihn hier erträgt.
Aleg Saltuk
Sie schlugen uns ans Kreuz, sie banden an Richtblock uns und Folterbank. Wir sind, die Toten, auferstanden Mit großem Hass, zernarbt und krank.
Vadim Sidur
Unerwartet scharf spürte ich die Kanüle der Liebe als ich am Morgen aus dem Fenster nachsah meiner eigenen Frau auf dem Weg zwischen Pforte und Haus im Kleid dem geblümten wie ein Schnabel der Zipfel des Tuchs in der Wattejcke der schwarzen erinnernd an einen Specht in ihren Händen das weiße Glas Milch
Bruce Springsteen
Als uns das Zwielicht einte, da haben wir gesagt: Wir bleiben beieinander, soll kommen, was da mag. Doch gehen wir, hat jeder noch eine Hand für sich. Ich wart auf dich und falle ich zurück: Wart auf mich.
Mikis Theodorakis
Leben hatt ich drei. Leben hatt ich drei. Eines spültī der Regen fort. Sturm riss eins entzwei. Eines mir noch blieb. Eines mir noch blieb. Das auf dunklen Blicken mit den Tränen trieb.
Wladimir Wyssozki
Das ist die Jagd aufs graue Wild. Das ist die Wolfsjagd. Die Alten hingestreckt! Die Jungen hingestreckt! Die Treiber schreien und zum Kotzen belln die Hunde. Der Schnee ist blutig und von Wimpeln rot gefleckt.