Vita Schriftsteller Journalist Freunde Orte Lektüre Downloads Impressum
Startseite Schriftsteller Bücher

Schriftsteller


Gedichte Nachdichtungen Essays Aphorismen Satire Bücher Platten Zettelkasten



Bücher

Poesiealbum 242

Verlag Neues Leben Berlin, 1987

Zwischen A und O hat ein junger Dichter Land entdeckt, Gründe, Abgründe, bizarre Schönheit. Weiß er, was ihm zugefallen ist mit Ungestüm? Mag sein, es braucht ein Leben, das Terrain auszuschreiten. Dafür steht er ein, schreibend, dass diese Zeit ihm bleibt.
Erhard Scherner

Wegzeichen - Begegnungen mit Frankfurt an der Oder

Frankfurt (Oder), 1989, Euro 5,00 + Versand

Eigentlich war der Band 1986 so gut wie fertig. Aber was der Cottbuser Fotograf Thomas Kläber ins Bild und Henry-Martin Klemt in den Vers gesetzt hatte, passte nicht ins Bild und klang ungereimt. So musste der unmündige Leser sich bis 1990 gedulden. Doch es verging kein Jahr, das schienen die Bilder wieder nicht ins Bild zu passen, der Dichter sich den falschen Reim auf die Zeitläufte zu machen. So musste der tiefschürfende Leser sich in den Keller bemühen.

Freiheit riecht nach Verbranntem

edition rotdorn, 1997, Euro 7,50 + Versand

...es gibt wohl nichts Interessanteres - wie ein Physiker-Autor einmal bemerkte - als das Verhalten von Dichtern beim Übergang von einem gesellschaftlichen Aggregatzustand in den anderen. Klemt ist ins kochende Wasser gefallen. Jetzt scheint er uns alles rauszusingen. Ein Lied, das heißt “Born in the GDR”, was mach ich nur mit diesem Gehfehler. Aufgewachsen zwischen Hans Beimler und Mick Jagger und als Soldat freiwillig Marx gelesen. Diese Topographie der offenen Wunde macht den Lyrikband interessant...
Detlef Stapf, Nordkurier

Menschenherz - Tagtraum, Lichtblick, Nachtgesang

Verlag Die Furt, 2002, Euro 10,00 + Versand

Zeit ist unser größter Reichtum, aber sie ist bemessen. Einander nahe sein bedeutet immer auch: Einander verlieren können. Das Leben als behutsamer Tanz auf Messers Schneide. Mit jedem zerstörten Lebewesen geht eine ganze Welt unter. Es bleibt eine Wunde. Und doch gehört das Vergehen zur Existenz. Der Abgrund muß nicht konstruiert werden, er ist All-gegenwärtig. Aus diesem Wissen erwächst die Feierlichkeit des Augenblicks. Poetische Zwiesprache mit Natur und Geschichte, dem fremden Leben und dem eigenen. Suche nach Heimat. Wurzeln bilden und sich verzweigen im Hier und Jetzt. Nicht nur da sein. Hier sein. Jetzt sein. Und immer wieder Bestandsaufnahme: Verblichene Utopien und trotziges Beharren: Ich bin. Keine Gewißheiten mehr als diese: Die Nachtigall singt, weil sie muß...
Maik Altenburg

Hautkontakte

Viademica Verlag Berlin, 23 Euro + Versand

Akt und Lyrik in einer wundervollen Symbiose

„Sex sells“ lautet eine Verkaufsregel. Die Zurschaustellung entblößter weiblicher Brüste und anderer Körperteile fördert den Umsatz, weil Mann nicht anders kann, - er muss hingucken. Unzählige Magazine, Privatsender und vor allem die billigen Boulevardzeitungen benutzen dieses „Verkaufsargument“ so inflationär, unpersönlich und seelenlos, dass mir als Mann das „Hingucken“ vergangen ist.
Nun kommt ein Büchlein daher und soll genau das alles nicht sein. Ausdrücklich distanziert sich der Frankfurter Fotograf und Lehrer Mathias Kapke von der „visuellen Umweltverschmutzung heutiger Tage“. Er nennt den bekannten Aktfotografen Günter Rößler als sein künstlerisches Vorbild. Das Magazin hat seine Spuren hinterlassen und Kapke leugnet sie nicht. Warum auch, er steht in guter Tradition und legt in seinen Arbeiten tatsächlich eine wohltuende Behutsamkeit an den Tag. Seine Porträts sind lebendig, phantasievoll und erotisch. Er setzt die Schönheit der Mädchen und Frauen (und einiger weniger Männer) ins Bild, ohne sie an den Betrachter zu verhökern.
Der Lyriker Henry-Martin Klemt hat vor einiger Zeit seine Gedichte durchgesehen, um einen Leseabend mit Liebeslyrik zu gestalten. Im Laufe seines Lebens hat er so manche Schöne, hat er viele Mädchen und Frauen angebetet und besungen. Von der zarten Liebeserklärung, seiner Frau gewidmet (Notturno), bis zu den derb-frivolen Sonetten fand sich eine erstaunliche Vielfalt und Bandbreite.
Nun musste der Zufall nur noch besagte Lesung mit Klemt in die Frankfurter Kneipe verlegen, in welcher Kapke soeben seine Arbeiten ausstellte. Man kam ins Gespräch, Kapke hatte die Idee, Klemt war nicht abgeneigt und so entstand ein Buchprojekt. Aktfotografie und Lyrik in einer wundervollen Symbiose. Lesen Sie die Gedichte und lassen Sie die Bilder auf sich wirken: Wenn die Künste einander ergänzen, können sie eine neue Dimension schaffen.

Ein anspruchsvoll und liebevoll gestaltetes Album ist entstanden und es ist wohltuend aufwendig im viademica verlag berlin produziert worden. Das Gewand des Büchleins wird dem künstlerischen Anspruch gerecht, es handelt sich im wahrsten Sinne des Wortes um ein Liebhaberstück.
Maik Altenburg


Der wasserklaren Aktnatürlichkeit im Stile des einstigen Magazin-Lichtbildners Günter Rößler geben die Zeilen im Sonett, aber auch im schlichtreren Versmaß Ort und Stunde. Sie lassen die Gräser duften, zwischen denen eine junge Frau ihren Körper zur Kamera hinbewegt, den Wind spüren...Klemts Lyrik ist von einem Beschützerinstinkt getragen, der sich appellativ vor die Empfindsamkeit der Körper und deren Liebesfähigkeit stellt.
Detlef Stapf

Der mit Vertrauen und Geschmack editierte Foto-Lyrik-Band bedient weder Moden, noch kennt er Zielgruppen; ein Buch für Stunden der Zwiesprache mit sich selbst, und das in jedem Alter.
Anni Geisler

Was ich will - Lieder und andere Begegnungen

Publishers, 2008, 14,90 Euro+Versand

Es ist kaum zu glauben, aber neben ihrem großen toten Vorzeigepoeten hat die Stadt Frankfurt (Oder) offenbar auch lebendige Dichter. Sie zeigt sie nur nicht so... Bereits im Frühjahr dieses Jahres ist ein Büchlein erschienen, ohne großen Bahnhof und fast unbemerkt, obwohl es gleich in mehrerlei Hinsicht bemerkenswert ist: Es handelt sich erstens um den ersten Band einer Edition, die „Neue Frankfurter Literatur“ heißt und die damit Hoffnung auf eine Fortsetzung, vielleicht eine Reihe weckt. Herausgeber ist die Publishers Werbeagentur Medien und Verlag GmbH Frankfurt (Oder) mit Sitz in der Ferdinandstraße.
Zweitens ist „Was ich will“ bereits das sechste Buch des mehrfach ausgezeichneten Frankfurter Lyrikers und Journalisten Henry-Martin Klemt.
Drittens geht es nicht nur um „Lieder und andere Begegnungen“, wie der Untertitel verspricht, sondern es sind erneut Schwarzweißfotos und Texte miteinander kombi-niert, wie dies bereits seit dem Bändchen „Wegzeichen“ im Jahr 1990 bei Klemt eine gute Tradition ist. Diese hatte übrigens mit dem Schmuckband „Hautkontakte“, erschienen 2004 im viademica-verlag Berlin, einen besonderen Höhepunkt. Die erotischen Gedichte des Autors gehen mit den Aktfotografien des Frankfurter Fotografen Matthias Kapke eine funkensprühende Verbindung ein und die sorgfältige Gestaltung durch den Verlag, von der Auswahl des Papiers bis zum Layout der Seiten wird diesem Anspruch in zauberhafter Weise gerecht.
Viertens aber, und damit kommen wir zurück zum leider spartanischer ausgestatteten Büchlein „Was ich will“, handelt es sich um, verzeihen sie den Ausdruck, wahre Gedichte: Verdichtetes Denken, veredelte Sprache, Bilder, Gefühle. Klemt bevorzugt die strengen Formen, den Reim, das Lied. Und wie ein versierter Tänzer lebt er die strengen Regeln aus (und überschreitet sie bewußt zuweilen) und beweist damit einmal mehr die Quintessenz aus Goethes grossem Sonett über Natur und Kunst:
„Wer Großes will, muss sich zusammenraffen.
In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister,
Und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben.“
Das nämlich heißt nicht, dem Geist Fesseln anzulegen. Im Gegenteil. Klemt schreitet Räume aus, überschreitet Grenzen, spiegelt paradox das Erwartete, spielt. In keinem seiner bisherigen Bücher hat er die Möglichkeit des Verlierens und die Endlichkeit des Lebens so intensiv reflektiert, wie in diesem.
„Und dann sagt die Handvoll Sand: Wir sind uns gleich. ...“
(Trauriges Lied, S. 24).
Leben, der kurze Zeitraum zwischen Geburt und Tod, ist Aufgabe, ist Verantwortung, heißt sich und das Eigene behaupten unter den Menschen und in der Welt. Behut-samkeit ist nötig, ja Zärtlichkeit, im Umgang mit den Dingen. Selbst die Erinnerungen tragen, wenn sie nicht beschützt werden, die Stiefelspuren der vermeintlichen Sieger.
„Vorsichtig müssen wir umgehen
mit unseren Erinnerungen,
sie vor dem schmierigen Glanz
der Ikonen bewahren, fernhalten
vom Pfaffengewäsch, dem ätzenden
Schaum der Erlöser.“
(Erinnerungen, S. 70)
Nein, nichts ist vergeblich, nichts wird vergeben und nichts wird gut in Klemts Liedern. Jedenfalls nichts von allein. Aber Gutes ist, in den Menschen, im Land, in den Dingen. Wenn wir es sehen können. Wenn wir es gut sein lassen. Wenn wir es zärtlich bewahren. Weil:
Es gibt einen lebensbedrohlichen Seelenzustand der epidemisch um sich zu greifen scheint: Gleichgültigkeit. Klemt verabreicht dagegen bisweilen heilsame Backpfeifen.

Maik Altenburg


Traum von mehr?

Verse sind wie Zunftgesellen auf der Walz, summen eine Melodie und schlagen mit dem Wanderstock den Takt. Im Gepäck Lust und Last der Welt und die Leichtigkeit des Vogelflugs. Längst schon ritzten sie bei ihren Meistern, den Dichtern, geheime Zeichen ans Tor, damit ein jeder von ihnen weiß: »Hier braucht mich einer.«
Vielleicht weiß Henry-Martin Klemt schon gar nicht mehr genau, wann der Vers »Die Nacht trennt sich vom Tag« um Einlass bat und in ihm zu arbeiten begann. Unter den vielen Vorüberziehenden ließ er einen weiteren herein: »Mein Traum muss sich entscheiden«. Und mit einem Male war ein Gedicht entstanden, das der Poet zu Papier bringen konnte. Zwar war von seinem eigenen Traum die Rede, doch, so fragte er sich: bin ich schon von Natur aus auch sein Besitzer? »Entscheiden«. Was? Worüber? Mit einem Male ist der Dichter sehr allein mit all den Möglichkeiten. Henry-Martin Klemt hat sich für jene entschieden, die seinen jüngsten Band beschließt: »zu wem er gehört«. Eine Botschaft, die sich festlegt und alles offenlässt.
Mit zwölf hatte »Sir Henry« seine ersten Gedichte anderen an der Schule gezeigt, sein Traum von damals hat viele Tage gesehen. Sein »Credo« von heute: »Spring auf / wie der Ton/ uneins«.
Diese knappen Texte verbergen mit äußerster Anstrengung, dass da ein Schreiber am Werk ist, dessen Gedichte von Melodien getragen werden – über die Umbrüche der Geschichte und die eigenen Abgründe: »Die Luke steht offen. Wir springen zu zweit/ aus Alles-und-immer hinein in die Zeit.« Abschiede können nicht ausgespart bleiben, und doch taucht hier jenes Motiv auf, das für Klemts Lyrik unverzichtbar ist – »zu zweit«. Viele seiner Gedichte hat er seiner Frau Rita gewidmet, nicht zuletzt das titelgebende »Was ich will«. Da haben Verse angeklopft wie diese: »... ich tauch bis zum grund/ deiner bunten augenseen/ komm herauf und bin noch jung/und auch dir ist nichts geschehn«.
Der vorliegende Band zieht etwas wie eine vorläufige Bilanz – kein Wunder, wenn man auf die 50 zugeht. Autobiografische Wegmarken kommen ins Bild, die Erinnerung an die Mutter, an die NVA-Erlebnisse, Landschaften, Literaturerkundungen und vor allem alltägliches Leben. Der Dichter weiß zu loben oder böse ins Panoptikum der Gegenwart zu führen. Meist sind es die leisen Töne, die man mitsummt wie ein uraltes Volkslied, die eine vertraute Stimmung hervorzaubern. Und doch schreit er fast seine Angst heraus, er sänge zu laut. Eine Strophe noch mag den ewigen Widerspruch aller Dichtung bezeichnen, wie ihn auch Henry-Martin Klemt austrägt: »Niemand braucht unsere/ Erinnerungen. Trotzdem/ gehören sie uns/ nicht. Sie machen, was/ sie wollen. Zur Unzeit/ sammeln sie sich«.
Es lohnte, etwas länger über das Wort »Unzeit« nachzudenken.
Neben der noch selten anzutreffenden so variabel-konsequenten buchkünstlerischen Gestaltung geben die Schwarz-Weiß-Fotos des Autors dem Band ein eigenes Gesicht. Da ergänzen sich Bild und Gedicht, sie spiegeln ihre jeweiligen Deutungen ineinander. Und der Vers mit seinen Gesellen kann – nun mit schwererem Gepäck – wieder auf die Walz gehen. Vielleicht braucht ihn ja ein anderer.

Klaus-Dieter Schönewerk, Neues Deutschland