Matthias Biskupek
Biskupek im Grießgötterland
Biskupek ist Rudolstädter, Buchkritiker und Satiriker. Letzteres in jenem Sinne, in dem Karl Kraus von „Weisheit“ schrieb, die „sich geärgert hat“. Aber Biskupek ist nicht besonders eitel, macht aus „Weisheit“ also Realismus. Was dasselbe ist, schmerzhaft, heilsam und eine komische Tragödie dazu. Für den alten Kommunisten zum Beispiel, der erfährt, dass der Kapitalismus wirklich alles zur Ware macht. Auch den Kommunismus. Und erst recht die Klopse von Frau M., der ersten Bundeskanzlerin der Welt.
Das alles hat mit Dialektik zu tun, und die gab es in der DDR nicht mal mehr im Intershop, wenn nicht gerade Heiner Müller, Peter Hacks oder Jürgen Kuczynski dort anstanden. Dafür gab es Freundschaftszüge, Kampfgruppen, FDGB-Heime, Reichsbahn, Ferienhelfer und jede Menge Aufklärung. Sie war nachhaltig in Gestalt fröhlichen Bevölkerungszuwachses, hielt aber nicht vor in Hinblick auf Wendewünsche und Amnesie - die einzige Seuche, die seit jeher der deutschen Volksgesundheit dient. Folglich haben die Rudolstädter im Allgemeinen heute zwar eher weniger, der Satiriker Biskupek hingegen jede Menge mehr Arbeit. „Horrido, Genossen“, ruft er seinen Zeitkollegen zu und wandert ein halbes hundert Geschichten weit durch das Grießgötter-Land mit ihnen, das sich jetzt bis zur Oder erstreckt.
Mögen die Verhältnisse noch so absurd erscheinen, Biskupeks Sprache hält mit. Manchmal in Art, wie man sich Schwejk mit Zahnschmerzen vorstellen möchte. Also keineswegs laut. Auch nicht, wenn er über Faschos, Zecken, Penner, ja nicht einmal, wenn er über deutsche Beamte schreibt. Irgendwie scheint es ihm nicht um die Pointe zu gehen, sondern mehr um jene, die sie trifft, wie eine Stasiakte oder ein Haarfön in der Badewanne. Da mausern die Grotesken sich bis zur Größe ungeschriebener Romane.
Die Staatsjagd hat den Staat erlegt, aber den Personenkult übrig gelassen. Deshalb gibt es diese wunderschönen Biskupek-Porträts von Ioan Cozacu als Zubrot. Fast 40 Stück! Dafür hätte „Einverstanden! E.H.“ zwei ganze Ausgaben des „Neuen Deutschland“ unter der Chefredaktion von Günter Schabowski gebraucht. Und sie wären beileibe nicht so schön geworden – die Porträts, die Neuen Deutschländer und das Schabowski sowieso nicht. Letzteres hat Biskupek trotzdem verewigt. Auch deshalb sollte man das Büchlein kaufen.
Matthias Biskupek, „Horrido, Genossen!“, Paperback, 144 Seiten, Eulenspiegel Verlag, ISBN 3-359-01481-2







