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Max Hannemann Strasse - 2000

Kommunist im Keller

Schilderstürmer und Umbenenner des letzten Dezenniums hatten immerhin einen Kommunisten im Keller - Robert Havemann. Ansonsten waren Antifaschisten, wenn sie sich nach der Nazibarbarei für das staatssozialistische Experiment DDR entschieden hatten, eher obsolet. Die jüngste Straßenumbenennung in Frankfurt (Oder) setzt ein Zeichen dagegegen: im Sinne von Akzeptanz unbestrittener Verdiensten und Vollständigkeit deutscher Geschichte. Nationaldichter Wolfgang Goethe trat dabei einige Häuserzeilen an Max Hannemann ab, den politischen Leiter der illegalen KPD in der Oderstadt der 30er Jahre und Organisator des antifaschistischen Widerstandes, der eine Gruppe von 60 Illegalen aufbaute. Nahezu im gesamten Stadtgebiet wurden 1933/34 Flugschriften der Gruppe verteilt. Dann gelang es der Gestapo, die Organisation zu sprengen. Auf Hannemann, 1945 unter ungeklärten Umständen im KZ umgekommen, fiel später der Verdacht, Genossen unter der Folter verraten zu haben. Ob dabei tatsächliche Verräter sich reinwuschen oder ob Hannemann und seine Frau Helene, die sich scheiden ließen, als ungeeignet für ein makellos heroisches Heldenbildchen erschienen - darüber dachte der Frankfurter Schriftsteller Hans Joachim Nauschütz bereits 1995 in seinem Buch "Max Hannemann und Genossen" öffentlich nach. Sollte die Ehrabschneidung, die dem Antifaschisten in der DDR widerfuhr, in der Bundesrepublik fortgesetzt werden? Darüber begannen die Stadtverordneten nachzudenken. Sie entschieden sich schließlich dafür, dem Frankfurter Hannemann in seiner Stadt - wo rechtsradikale Übergriffe und Schmierereien inzwischen wieder auf der Tagesordnung stehen - Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Mit jeweils einer eigenen Feierstunde ehrten die Stadt und der Frankfurter Bund der Antifaschisten (BAFF) den Widerstandskämpfer. Übertreiben wollte man es mit den Gemeinsamkeiten dann offenbar doch nicht.