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Norbert Bisky

Gay-Bilde für die Spassgesellschaft - 2002

Norbert Biskys Bilder im Museum Junge Kunst in Frankfurt (Oder) sind so, wie Hollywood sich die DDR vorgestellt hat. Sie spielen mit einem Menschenbild, das staatstragend ist und sich nicht um sich selbst bekümmert. Leute finden und verlassen einander, deshalb sind sie glücklich oder unglücklich. Der Staat ist überall, deshalb sind in seiner Obhut alle fröhlich. Brüllt der Staat. Die Industrie ist auch überall, deshalb sind alle glücklich. Kreischt die Werbung. Selbstvergessenheit ist die Primärtugend untergehender Kulturen.

Biskys Helden kommen aus dem Nichts zum Vorschein. Am liebsten malt er fesche Jungs an einen lichtgefluteten Nichtort, als Zumutungen für das historisierende Gedächtnis des Betrachters. Drei Knaben in Betrachtung eines phallischen Baseballschlägers betitelt der Künstler: „meinst du wirklich“. Pimpfenshorts und Pionierbluse, wer sie denn sehen mag, samt schwarzrotgoldnem Einheitsprügel. So vordergründig ist Bisky nicht immer. Aber seine Kortschagins vom Band – kennst´e einen, kennst´e alle – blickten schon von den Litfasssäulen, als Großväter in SA-Stiefel flutschten und emigrierte Kommunistenführer im Moskauer Hotel Lux vor dem NKWD zitterten. Die blickten noch immer in die lichte Zukunft, als in Leipzig – wo Bisky 1970 geboren wurde – stolze Hundertschaften zum Sportfest zogen. Selbstgewiss und ahnungslos bannt Bisky sie, ewigkeitsschwangere Masken, die sich überlagern, wie die immer neuen Zeiten selbst. Mit Lara Croft und Superman kämen die sich nicht ins Gehege, geschweige denn mit den androgynen Business-Bubis des Neuen Marktes. Es gibt ein Recht auf heile Welt in Biskys Bildern, das sich nicht selbst in Frage stellt. Aus allem denkbaren Wirklichkeit entrückt, offenbaren seine Figuren allenfalls die Vermeintlichkeit jenes Kontextes, der ihnen sichtbar fehlt.

Sein Kaiser samt Fußvolk ist nackt, doch in diesem Zustand noch höchst ansehnlich. Das weiß Bisky und nach zwei Jahren Trommelwirbel um den unpretentiösen Shootingstar der Malerszene weiß es auch sein Publikum. Nun geht er ins Detail. Der Anschnitt macht das Gesicht des „großen Bruders“ im Birkenschatten zum Monstrum. Unterm orangen Himmel verheißt das rote Fähnlein neben zwei einsamen Stämmen „Lagerfreuden“. Mehr braucht es nicht, an den Assoziationsketten zu rütteln. Fehlt das Fähnchen, wird der „Zonensommer“ daraus. Hieße es einfach nur „Sommer“, wäre es Kitsch. Bisky jongliert mit dem, wovon er so tut, als ob es Ballast wäre. Kein Strich, der nicht sitzt. Keine Komposition, die nicht ans Perfekte grenzte. Die Bilder gehen weg wie warme Semmeln. „Es gibt eine lange Warteliste“, freut sich Galerist Michael Schultz. Die Gemeinde kann gar nicht genug von soviel Jünglingsmut und Jugendschönheit, geschichtsbefreiter Geschichtswurstelei und dekorativer Vergangenheitsüberwältigung kriegen. Der Maler nimmt das ohne Skepsis hin. „Wer Bilder sammelt, schmeißt sie nicht weg, sondern erhält sie. So sind sie auch in 500 Jahren noch da.“ Sich selbst sieht er als jemanden, der vom „kriminellen Gewerbe“ der Werbung Terrain zurück erobert. Lächeln um Lächeln, Zahn um Zahn. „Es kann nicht sein, dass die für ihre blöden Produkte das Kornfeld oder den Himmel vereinnahmen und für den Künstler bleibt der Dreck, die Mülltonne.“

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