Käthe Kollwitz
Kollwitz im Rathausfestsaal
Sie war die erste Frau, die von der Preußischen Akademie der Künste aufgenommen wurde, und sie stellte die Frau in den Mittelpunkt ihrer künstlerischen Arbeit. Aber nicht die Harmonie des Jugendstils, der akademische Glanz des Naturalismus faszinieren die junge Käthe Kollwitz (1867-1945). Ihre Helden findet sie bei Zola und Hauptmann, zu dessen "Webern" sie mit 26 Jahren einen grafischen Zyklus gestaltet. Leid und verzweifelter Aufstand gegen das Leid prägen diese Blätter. Als Bestandteil einer der Künstlerin gewidmeten Werkschau sind sie derzeit im Museum Junge Kunst Frankfurt (Oder) zu sehen.
Wie auch die anderen Arbeiten gehören die Werke zur umfangreichen Schweriner Sammlung. Sie markieren nicht nur die Biografie einer bedeutenden Künstlerin, sondern spiegeln vor allem ein Stück deutscher Sozial- und Kunstgeschichte. Ein besonderes Verdienst des Museums Junge Kunst besteht darin, dem Lebenswerk von Käthe Kollwitz Arbeiten anderer Künstler aus dem eigenen Fundus zur Seite gestellt zu haben. So finden sich im Rathausfestsaal auch Grafiken von Ernst Barlach (1870-1938), der das Schaffen der Kollwitz nachhaltig beeinflußte. "Ein tief neidisches Empfinden, daß Barlach so viel stärker und tiefer ist als ich es bin", räumt Kollwitz in ihrem Tagebuch ein. Und Barlach notiert 1927 über sein Kriegsmahnmal: "In den Engel ist mir das Gesicht der Kollwitz hineingekommen." Vertreten ist auch der Symbolist Max Klinger (1857-1920), dem Kollwitz nach eigenem Bekunden ihre "geistige und künstlerische Geburt" verdankte und an dessen Grab sie sprach. Hans Barluschek (1870-1947), ebenfalls in der Ausstellung gezeigt, war Kollwitz´ Kollege an der Künsterlinnen-Malschule und hatte mit ihr und Otto Nagel gemeinsam das Protektorat für den Film "Mutter Krausens Fahrt ins Glück" inne. Schließlich finden sich zwei Dutzend Zeichnungen von Heinrich Zille (1858-1929), dessen Fähigkeit, sein "Milljöh" einzufangen, Legende ist.
Dieses Beeinander nimmt der Ausstellung denn auch ein wenig von der Schwere und Düsternis, die den Betrachter zuweilen überkommt, und gibt zugleich Auskunft über künstlerische Verflechtungen, etwa wenn Kollwitz das Motiv der stillenden Mutter, wie es schon bei Zille zu finden ist, zur Symbolisierung von "Hunger" aufgreift und es ins Groteske, Schreiende steigert. In der Erkenntnis, daß die Untersten der Gesellschaft nichts zu verlieren haben, schwingt immer ein Hoffnungsfunken: die kindlichen, jugendlichen Gesichter - bei den Kindern der Arbeitslosen, beim Bauern im Pfluggeschirr, bei ihrem "Jungen Paar" - haben den Anspruch auf Menschenwürde noch nicht begraben; sie sind schon gezeichnet, aber noch nicht zerstört. Und auch, wenn Käthe Kollwitz sich selbst nicht als Revolutionärin sieht, beansprucht sie doch eine soziale Wirkung für ihre Arbeit: "Ich bin einverstanden damit, daß meine Kunst Zwecke hat", notiert sie 1922 in ihrem Tagebuch. "Ich will wirken in dieser Zeit, in der die Menschen so ratlos und hilfsbedürftig sind." Dafür stehen nicht zuletzt ihre Lithografien zu Spendenaktionen, Hungerhilfe und Anti-Kriegs-Demonstrationen.








