Arslan
Auf meisten Bildern von Ercan Arslan lodert das Rot, scheint es brennend aus den Fugen zu brechen, türmt es sich zwischen menschlichen Gestalten und sucht sie in seinen Sog zu reißen. "Seit Jahren schon kämpfen wir miteinander, dieses Rot und ich. Manchmal versuche ich zu fliehen, aber es holt mich ein." Denn in dieser Farbe bündelt sich alles, was den seit seinem elften Lebensjahr in Deutschland lebenden Kurden an die Staffelei treibt: Die Spannung zwischen Sexualität und Agression, zwischen Liebe und Tod, zwischen einer entgrenzten Welt und der Sehnsucht nach Geborgenheit. "Weil ich hier auf der Welt bin, muß ich malen. Selbst wenn ich nicht male, male ich", gesteht der 28jährige. "Das ist mein Alles, meine Existenz." Oft dauert es Monate, bis eine Idee sich formt, und immer bleibt der Ausgang ungewiß. Nichts läßt sich im voraus planen. "Meine Malerei ist eine Welt für sich", meint Arslan. "Aber sie hat viele Verwandte, von denen sie inspiriert wird. In der Literatur beispielsweise sind es Garcia Marquenz oder Paul Sartre." Wer sich heranwagt an die Feuerwände, sie mit den Augen durchdringt, der entdeckt beim Nähertreten einen feinen, zuweilen fast akademischen Strich oder die Spuren eines Spachtels oder eines Messers in der obersten Schicht, die den Blick auf zahlreiche Lasuren freilegt, so als altere das Bild unter den Augen seines Betrachters. Mit seinen Ausstellungen war Arslan bereits in London und Dakar, in Utrecht und natürlich seiner Wahlheimat Berlin vertreten. Zumeist gehören die Nachtstunden der Kunst. "Dann klingelt kein Telefon, kommt kein Besuch, fühlt sich Arslan auf sich allein gestellt. Neben Arbeiten in Öl und Acryl entstehen auch Sandsteinplastiken. Doch gleich, ob ein fabelwesengleiches Paar das Bild beherrscht, ob wie aus einem antiken Mythos eine Torsi-Gruppe aufschauert - immer liegt wie ein Schleier eine leise Melancholie über den Werken, ein Aufgestörtsein durch das Wüste, Verletzende. "Dabei bin ich eigentlich ein sehr ruhiger und ausgeglichener Mensch. Ich könnte mich als glücklich beschreiben. Was in meinem Inneren geschieht, kehre ich in der Kunst nach außen. So lebe ich es aus."