Zhang
Verloren in den Mustrn der Zivilisation
In den Bildern von Qi-Kai Zhang spielen Tiere die Hauptrolle, Kängurus, Vögel, Pferde, Raubkatzen - als Symbol des Lebens, der Sehnsucht nach Freiheit, auch als Gegenstück zur Zivilisation, zur Domestizierung, zu den Ritualen einer sterilen Sozialität. Das Beklemmende, Bedrückende wird in den surrealistischen Malereien sichtbar als makellose Architektur, stechend klarer Fall von Licht und Schatten, wird augenscheinlich in spitzen Winkeln und dreieckigen Flächen. Hilflos wirkt das Lebendige darin, verirrt und verloren.
Der 1950 in Sichuan (China) geborene Künstleer begann bereits mit 12 Jahren zu malen. In China und Japan studierte er Kunst, entdeckte den Surrealismus, die Popart, und fand schließlich 1990 in Berlin einen Ort, um die europäische Kultur auf sich wirken zu lassen. "Die eigene Kultur trägt jeder mit sich", meint Zhang. "Ich muß das chinesische Element meiner Malerei nicht betonen. Es wirkt von selbst, wenn ich mich mit Traditionen der europäischen Malerei und der Moderne auseinandersetze." Faszinierend sei für ihn, daß die moderne europäische Kunst keine ethnischen Grenzen kenne. In seiner Heimat, meint Zhang, werde sehr viel wert auf diese Spezifik gelegt. "Hier sind solche Grenzen in der Kunst nicht zu spüren." Er möchte die verbindenenden Elemente zwischen europäischer und chinesischer Kultur für sich ausfindig machen und ausleben. Deutschland soll deshalb zunächst seine Wahlheimat bleiben, auch wenn er derzeit für einige Monate in seine Heimat gefahren ist. In der Nationalgalerie Peking wird eine große Ausstellung zur Rückkehr Hongkongs nach China vorbereitet. Sie zeigt einen repräsentativen Querschnitt junger chinesischer Kunst. Zhang ist dort vertreten.
Im Frankfurter Kunstkeller Karl Witzleben hat Qu-Kai Zhang seine erste Ausstellung in den neuen Bundesländern eröffnet. Witzleben, der selbst vor einigen Jahren aus Berlin an die Oder kam, hatte die Arbeiten zunächst bei einem Kollegen, dann in der Hochschule der Künste entdeckt. "Ich war sofort verliebt. Zhang stellt hohe Ansprüche, entwickelt in den Bildern eine sehr persönliche philosophische Sicht. Zugleich spürt man überall sein Bedüffnis nach Komunikation."