Engelhardt
Gespür für das Material
Seine Freundlichkeit, seine Hinwendung zum Leben mit all seiner Tragik, Freude, seiner Lust und Erotik, spiegeln sich in dem vielgestaltigen Werk von Horst Engelhardt wieder. Der seit 1976 in Eichwerder bei Wriezen lebende Bildhauer zeigt derzeit über fünfzig Arbeiten - Malerei, Grafik und Plastik - in den Frankfurter Baumschulen - Gutshof Nuhnen.
Eine Frankfurter Gartenbaufirma veranstaltet dort nun schon die dritte Exposition zum Thema „Kunstaspekte in der Landschaftsgestaltung“ und bezieht dabei den jüngst restaurierten Gutspark ebenso wie das Tagungszentrum ein. Nicht nur die ungewöhnlich lange Dauer der Verkaufsausstellungen (die Engelhardt-Schau ist bis Oktober zu sehen), sondern auch ihre Präsens in sämtlichen genutzten Räumen haben den Nuhnen-Hof zu einer begehrten Kunstadresse gemacht. Gänge, Zimmer und Säle gestatten die Präsentation von Zyklen, lassen Kontrastierendes und Ergänzendes zur Wirkung gelangen. Nicht anders der einladende Park mit seinen Wasserläufen, Teichen und Rondells, wo sich Figurengruppen finden, auch für den Stadtraum dimensionierte Werke ihren angemessenen Platz finden.
Bei Engelhardt kommt noch die Vielschichtigkeit seines Oeuvres hinzu, durch die der Ausflug in sein Schaffen der letzten fünfzehn Jahre zur Wanderung zwischen Kindheit und Erwachsensein, Menschenbild und Landschaft, Gegenständlichem und Abstraktem gerät. Wenn der Betrachter dennoch nicht den Eindruck eines künstlerischen Eklektizismus gewinnt, so liegt es an der konsequenten Suche des Bildhauers nach Ausdrucksmöglichkeiten, bei der Engelhardt auf sein wechselndes Material eingeht und mit sicherem Gespür das seinem Anliegen Adäquate wählt: sei es eine verspielte Collage oder ein in sich verharrender, ins Symbolhafte zurückgenommener Marmor. Engelhardt, der den Ausdruck von Hingabe und Lust, das Heitere, Ironische liebt, fühlte sich durch den Krieg in Jugoslawien bedrängt, auch den „Brudermord“ in Stein zu schlagen, die „Vergewaltigung“. Das sich Öffnende, Erwartende und das Verzweifelt Verschlossene treten so in Zwiesprache miteinander.Die Vernissage war eine gute Gelegenheit für Laudator Eberhard Görner, seinen Film über die künstlerische Wirkungsstätte des Freundes vorzustellen. „Von Breker bis Engelhardt. Das Atelier in Jäckelsbruch“ heißt der jüngst vom ORB ausgestrahlte Streifen.
1995
Kunst und Landschaft
Über den weitgehenden Verlust des öffentlichen Auftraggebers vermag Horst Engelhardt mit einem abwehrenden Lächeln hinwegzugehen. Er genoß auch zu DDR-Zeiten keine Privilegien und mußte permanent um seine Existenz kämpfen. Den künstlerischen Schöpfungsdrang des 1951 im sächsischen Leuben geborenen Bildhauers konnten solche Widrigkeiten nicht bremsen. So stellt der in Jäckelsbruch bei Wriezen lebende Meisterschüler Werner Stötzers derzeit in den Frankfurter Baumschulen - Gutshof Nuhnen Werke aus den letzten 15 Jahren vor. Sie überraschen in ihrer Vielschichtigkeit, ihrer unpathetischen Direktheit, durch ihre Symbiose von Heiterkeit, Selbstironie und Ernsthaftigkeit. Neben den Plastiken im restaurierten Gutspark finden sich spielerisch-ironische Collagen, lustvoll erotische Akte und aquarellierte Landschaften, in denen die spröd-fließende Schönheit des Oderbruchs sich wiederfindet. Schwere, gebündelte Formen im Stein erstaunen durch ihre Verhaltenheit, fast Stille. Die Grenzen zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit fließen zuweilen. Die Darstellung scheint aus dem Material hervorzudrängen. „Das ist eine Kunst, die uns sehend macht“, sagte Eberhard Görner zur Vernissage. Der in Bad Freienwalde lebende Filmemacher stellte im ORB jüngst einen Film unter dem Titel „Von Breker bis Engelhardt - Das Atelier in Jäckelsbruch“ vor. Die Verkaufsausstellung ist bis Oktober zu sehen. Es ist bereits das dritte Projekt der Frankfurter Baumschulen zum Thema „Kunstaspekte in der Landschaftsgestaltung“.
1997