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Frank Hammer - Die Axt im Nadelkissen

Frank Hammer bei einer Lesung "Zum Tag der politischen Lüge" in Frankfurt (Oder).

Der Hammer als Axt

Seinen Debütband mit hundert Gedichten aus zwanzig Jahren hat Frank Hammer "Die Axt im Nadelkissen" genannt. Wehklagen ist seine Sache nicht. Wo Trauer ihn anfällt, ist der Spott nicht weit. Wo Elegisches lange Schatten wirft, grummelt ein Philosoph aus dem Dunkel. Der Dichter hat, so verwandt ihm die Kleist und Trakl auch sind, nicht den Drang zum Tragöden. Und wenn´s auch zum Helden nicht reicht, so bleibt doch wenigstens die grimme Lust, dabei zu sein, "wenn das Eis bricht".

Leben kann sich ändern, sobald einer in schwarzen Mädchenaugen die hingemordete Judenheit wieder erkennt, oder vom Urgroßvater zu hören kriegt, dass der sich nichts mehr sagen ließ nach der Verbrüderung an der Ostfront, von nichts und niemandem. "Danke Alter,...das wollte ich wissen", schreibt Hammer und macht sich auf den Weg.

Der hat den 46jährigen von der Werft ins Kulturhaus, vom Literaturstudium in einen Großbetrieb, aus der Besenkammer eines Kinos in den brandenburgischen Landtag verschlagen. Axt hin, Hammer her, aus dem Schneider kommt so einer nie. Als Sozialarbeiter und Stadtverordneter ortet er seine poetische Wahrheit in den kleinen Unterschieden zwischen Straße und Rathaussaal, wo in Eurasien auch immer. Lust und Utopie sind Geschwister in Hammers Gedichten. Das sorgt für Brüche, wohlgesetzt durch Hans Joachim Nauschütz, der die Auswahl der sieben Kapitel besorgte. Da steht der Gassenhauer - Berangér läßt grüßen - neben dem klassischen Sonett, der brünstige Stoßseufzer neben der Ode. Das poltert, psalmodiert, tatzt und streichelt, und manchmal weiß es mehr, als es schon sagen kann.

Als poetischer Beobachter ist Hammer unbestechlich und bündig. Seine Metaphorik ist direkt und unmittelbar, seine Parabeln springen ihm aus dem Alltag entgegen. En passant wird einmal mehr deutlich, dass zeitgeschichtliche Diskontinuitäten die Kontinuität des Subjekts nicht dauerhaft überlagern. Es gibt keinen Vor- und Nachwende-Hammer. Er wollte vorher nicht siegen und will jetzt nicht verlieren, und beides nicht allein um seinetwillen. Das handliche Büchlein, liebevoll gestaltet und durch die Grafiken von Wolf Henry Gentsch bereichert, offenbart sich mithin als kompakter Quader - ein Grundstein, auf den sich bauen läßt.

Frank Hammer, Die Axt im Nadelkissen, 155 Seiten, 13,70 Euro, Verlag Die Furt, ISBN 3-933416-27-2