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Jerzy Ficowski - Aus der Asche gelesen

Aus der Asche gelesen

"Aus der Asche gelesen" heißt der elfte Gedichtband des 1924 geborenen polnischen Schriftstellers Jerzy Ficowski, der als Teilnehmer am Warschauer Aufstand in deutsche Gefangenschaft geriet und bei Kriegsende durch britische Truppen befreit wurde. In leisen, klaren Bildern erinnert der Zyklus an die Opfer des Holocaust. In Deutschland ist er seit langem nicht mehr erhältlich; auch während des Betroffenheitsrondos um den 50. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz fand er nicht in die Buchhandlungen zurück. Allerdings gab er einem Programm seinen Titel, mit dem die Sängerin Jalda Rebling und die Nachdichterin Karin Wolff am Sonnabend im ausverkauften Frankfurter Haus der Künste zu Gast waren.

Die temperamentvolle Sängerin, die sich seit Beginn der 80er Jahre zunächst mit Lin Jaldati und Eberhard Rebling, später mit ihren Musi- kern Stefan Maass und Hans-Werner Apel der Bewahrung jüdischer Kultur widmete, ließ mit sparsamen Gesten und bewegender Interpretation das Leid der Gettobewohner, der elternlos gewordenen Kinder, der trauern- den und hoffenden Chassidim aufklingen. Ebenso schlicht wie unabweisbar auch die von Karin Wolff gelesenen Verse Ficowskis: "Dies sind die Strophen aus dem Neuesten Testament, darinnen sechs Millionen verkohlter Seiten, und in den geretteten spiegelt sich seit Jahren der rote Leuchter des Feuers...", heißt es in einem Brief-Poem an Chagall, der es mit 100 Lithographien zur Geschichte der Judenheit erwiderte.

Als die Künstler geendet hatten, blieb es still. Niemand wagte zu applaudieren. Erst als die Veranstalter vom deutsch-polnischen Literaturbüro zum zweiten Mal einen angenehmen Heimweg wünschten, standen die Zuhörer schweigend auf und verließen den Saal.