Parkner
Ralf Parkners Sammelstücke als Türen zur Welt
Frankfurt (Oder): „Pass bloß auf“, warnte mich ein Freund vor meinem ersten Besuch bei Ralf Parkner. „Der schiebt ein Musikvideo ein, zeigt Dir dabei mindestens zwei seiner Sammlungen und referiert gleichzeitig über drei Neuerscheinungen, fünf Biografien und sieben Essays.“ So war es dann auch, oder doch beinahe so. Parkner, in aller Bescheidenheit, bildet so etwas wie das Zentrum eines ästhetischen Universums. Seit dem Urknall, der in die Zeit seiner frühen Jugend fiel, verteilt sich die Materie um ihn herum. Dass es dabei eng wird in der Plattenwohnung, scheint Parkner nicht zu stören. Weshalb auch? Jeder der Gegenstände, die er um sich versammelt, ist ein Aus- und Eingang. Komm, ins Offene, Freund.
Parkners Wissen hat enzyklopädische Züge – Frank Zappa oder Wolf Biermann, Gerhard Gossmann oder Günter Kunert oder die Militärgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts. Dabei begnügt sich Parkner nicht mit dem Besitz der seltenen Stücke. Er korrespondiert mit ihren vormaligen Besitzern, spürt den Geschichten nach, die sich damit verknüpfen, kennt diesen und jenen von Angesicht, Lektüre und Gespräch. Etwas bewahren von einem anderen, das ist für den 52-jährigen Frankfurter noch allemal eine Geste der Achtung und des Respekts. Seine Schätze mit anderen zu teilen, ist ihm Bedürfnis.
So kommen Ausstellungen zustande wie jene, die am 13. März um 19.30 Uhr in der Galerie B eröffnet wird. „Sammelstücke“ hat Parkner sie genannt. Das ist tief gestapelt. Es sagt nichts über die Leidenschaft, mit der diese Passion betrieben wird, geschweige denn über die Sucht, die anderen Süchten eines voraus hat: Sie wirkt nicht destruktiv und lähmend, sondern befreiend, sogar in der Enge eines Provinzkaffs. Deshalb zog es Parkner zum DDR-Kulturbund und zur Pirckheimer Gesellschaft, in deren Publikationen sich mancher Aufsatz von ihm findet.
Von den beiden Gottesstrafen, kein Talent oder mehrere zu bekommen, hat den Sammler die zweite ereilt: Musikalien, Militaria, Gemälde, Grafiken und Ex Libris, Medaillen, Sammelbilder, Katzen nun auch – Parkner braucht ein Haus! Aber das Geld dafür, der Bewunderer ahnt es, steckt längst in den sowieso und eigentlich unbezahlbaren Kostbarkeiten. Nur einen Bruchteil kann er in der bis zum 17. April geöffneten Schau zeigen. Wer sie besucht, dem wird es wie dem Sammler ergehen: Ihm öffnen sich Türen zur Welt, zur Literatur-, Kunst- und Zeitgeschichte, fröhliche Wege, die vom Nebensächlichen zum Bedeutsamen, vom Zufälligen zum Exemplarischen führen.
2003