Adler
Im Wohnzimmer von Heiner Adler stapeln sich Kaffeepakete, Hemden, Kekspackungen und Lebensmittelkonserven, Plüschtiere und Drogerieartikel. Aber der 60-jährige Frankfurter hat nicht die Absicht, einen Kommissionshandel zu eröffnen.
Alex
Jung. Dynamisch. Skrupellos berechnend. Herbert Alex hat nichts, was auf den Beipackzettel eines erfolgreichen Managers gehört.
Bossan
Der Schaltplan ist vergilbt und eingerissen, die Bleistiftzeichnung aber noch gut zu erkennen. Nach ihr hat der Abiturient Karl-Heinz Boßan in den 60er Jahren sein erstes Highend-Radio gebaut. Mit Eingängen für Phono und Tonband, integriertem Mixer. "Ich hätte sogar Karaoke singen können, wenn ich damals gewusst hätte, dass es so etwas gibt."
Brümmer
Jörg Brümmer sammelt Pokale wie andere Briefmarken. Ist ja auch was Schönes: Weltmeisterschaftstitel komplett, Europameisterschaft sogar doppelt bis dreifach, Mannschaftssiege der Weltklasse in Gold, Silber und Bronze, die Medaillen dazu - und alles selber verdient.
Dinse
Für den Flaneur lebt eine Straße aus der Abfolge der einzelnen Häuser, die sich ihm auftut wie ein Bilderbogen, voller Details und Geschichten, jedes für sich autonom und doch erst im harmonischen Miteinander ein Ganzes. Nicht jeder Besitzer sieht das ebenso.
Dörr
Wenn der Frankfurter Matthias Dörr gemeinsam mit den anderen den brandenburgischen Preis Für Zivilcourage und Toleranz" erhält, so wird damit das stille und kontinuierliche Wirken des 30jährigen gewürdigt, das vor mehr als einem Jahrzehnt in der evangelischen Jugendarbeit begann.
Gehlsen - 1995
"So ein Tag, auf den ich mich so freute", singt Gehlsen. Andere fallen ein. "So ein Tag, der dürfte nie vergehn." Niemand kann diesen Chor im Herbst 1989 überhören. Auch durch die Fenster der Frankfurter Stasi-Zentrale dringt das Lied. Die Furcht der Demonstranten kommt als Spott durch die Stahltore gekrochen.
Hildebrandt - 1996
Als Biochemikerin hat die 55jährige in der Pharmakologie des VEB Berlin Chemie gearbeitet und promoviert, bevor sie in die Zentralstelle für Diabetis wechselte. „Mit Pillenabfüllen habe ich unseren ersten Kühlschrank dazu verdient. Politik wollte ich in diesem Staat tatsächlich nicht machen.“
Hobler
Freunde beschreiben Uwe Hobler kurz und bündig: Der sieht aus wie Lenin. Zumindest das schüttere Haar, der Bart und der zuweilen jungenhaft-fröhliche Ausdruck ermuntern zu diesem Vergleich.
Horn
Ich möchte niemand anderes sein als der, der ich bin, und ich möchte auch nicht, daß jemand anderes ich ist. Wir werden immer weniger Produktion haben, immer weniger Soldaten brauchen, immer weniger Leute, die jeden Tag an ihrer Maschine das Gleiche machen. Es wird auf unseren eigenen Kopf ankommen - mit dem wir unsere Ziele definieren, die Wege bestimmen, die wir gehen, und das alles, ohne morgens voraussehen zu können, wie wir mittags reagieren müssen.
Jens
Für jemanden, der nicht wüßte, wer Inge und Walter Jens sind, wäre es einfach ein schönes Bild: wie die beiden in den Barocksesseln auf dem Podium sitzen, etwas aristokratisch, aber keineswegs unnahbar, wie sie nicht nur dem Publikum zur Freude lesen, sondern einander dabei immernoch zuhören; ein Paar nach 46 Ehejahren.
Knußmann
"Das Ekelhafteste ist tagelang schönes Wetter. Da passiert gar nichts. Der Winter auf der nördlichen Halbkugel dagegen, das Aufeinanderprallen riesiger Kalt- und Warmluftmassen, große Wetterlagen, 40 Grad Temperaturunterschied zwischen Nordsee und Mittelmeer..." Fast gerät er ins Schwärmen.
Leichsenring
"In der Stadt zu leben, in der Amadeu Antonio erschlagen wurde, das ist ein Erbe, mit dem ich bis heute nicht fertig geworden bin", sagt Uta Leichsenring. Auch wenn Polizisten heute anders handeln würden, müßten Unbeteiligte angesichts des vierjährigen Weges durch die Justiz und bis zum Freispruch den Eindruck gewinnen, daß hier etwas verschleppt und vertuscht werden sollte. "Ich bin nicht glücklich damit."

Lukas
„Ich habe nicht die richtige Beziehung zum Geld, sonst würde ich so nicht handeln“, gesteht Maria Lucas. Was aber macht die 1943 im Zeichen des Skorpions Geborene zur Immobilienbesitzerin, Bauherrin, Bittstellerin im Förderdschungel? Hätte sie das einst von Großvater Fritz Gerstenberger gestaltete Gelände in Frankfurt (Oder) verkauft, brauchte sie sich keine Sorgen um denkmalgeschützte Walmdächer, Backsteinarchitektur und multifunktionale Mischgebiete zu machen. „Wir leben alle nur ganz kurz. In zehn oder zwanzig Jahren sind wir weg. Aber wenn man etwas Kulturelles schafft, das hat vielleicht Bestand.“
Müller
"Du mußt dich mit dem Material unterhalten", sagt Ulrich Christian Müller. "Mußt es als Organismus ansehen, als einen Teil der Welt, der mit dir harmoniert. Das ist nicht bloß eine Sache. Das ist eine Verbindung zu deinen Vorfahren und zu denen, die nach dir kommen." Wer so über seinen Job redet, bei dem hat es irgendwann gefunkt, ist der Beruf auch auch Berufung.
Parkner
"Pass bloß auf", warnte mich ein Freund vor meinem ersten Besuch bei Ralf Parkner. "Der schiebt ein Musikvideo ein, zeigt Dir dabei mindestens zwei seiner Sammlungen und referiert gleichzeitig über drei Neuerscheinungen, fünf Biografien und sieben Essays."
Reinhard
Wie wird aus jemandem ein außergewöhnlicher Mensch? Steffen Reinhard hat sich erst einmal die Haare himmelblau gefärbt. Sie ziehen den Blick von seinen weichen, an das Gesicht seiner zierlichen Mutter erinnernden Zügen empor zum dichten Schopf. Darüber ist Himmel, da wächst er hin.
Sabine H.
Sie kann wunderbar mit kleinen Kindern umgehen, basteln, spielen und malen. Sie kann sanft sein, ...
Sarrach
Schon in der Buddelkastenzeit lernte Sarrach den Standesdünkel kennen. Der Knirps eines Majors durfte sich vom Fähnrichssohn Stefan auch beim Spielen nichts sagen lassen, sonst bekam er Stubenarrest. Dafür durfte der Majorssohn verkünden, daß er Westfernsehn sieht, und der andere mußte darüber schweigen. „Das schleppe ich bis heute mit mir rum.“