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Fred Pilarski

Fred Pilarski Foto: privat

Zwischen Waldbirne und Wilhelmshof

Fred Pilarskis Dorfgeschichte der anderen Art


Der Neu-Wulkower Fred Pilarski ist ein wissbegieriger Mensch, ein begnadeter Hingucker und ein professioneller Autor. Dem Verein Die Wolkower e.V. ist zu gratulieren, dass er sich des Zuzugsbemächtigte und ihm den Auftrag gab, eine Festschrift zur 650-Jahr-Feier des Dorfes zu verfassen. Pilarski bewahrt sie vor jener Peinlichkeit, die das Kleine aufbläst, bis es groß und hohl aussieht.
„Wulkow – 650 Jahre zwischen Wildbirne und Wilhelmshof – Dorfbewohner erinnern sich“ ist weder Chronik noch Geschichtsbuch noch Dorfporträt, aber es hat von jedem etwas. Das Wichtigste aber: Pilarski beschreibt das lebendige Dorf, stellt seine agilen Bewohner mit ihren unterschiedlichen Blickwinkeln auf die vergangenen Jahrzehnte vor, streicht nichts, fügt nichts hin zu, und so entsteht vor den Augen des Lesers eine Liebeserklärung, die keiner Beschönigung bedarf.
„Wer Wulkow wirklich gern hat, nimmt einiges in Kauf“, sagt Heidi Kascherus. Wie das nicht nur für sie gesprochen ist, sondern als Motto über den Nachkriegs-, wie den Nachwendejahren stehen könnte, ist der 200-Seelenort unweit von Frankfurt (Oder) nicht untergegangen. Nicht zwischen Abgabensoll und Kollektivierung und nicht zwischen Treuhandanstalt und Marktwirtschaft.
Für eine Weile wurde das Dorf sogar berühmt. Mit seinem „UFO“, dem Niedrig-Energiehaus am Ortseingang, und dem Konzept einer ökologischen Dorferneuerung, das Skeptiker ebenso auf den Plan rief, wie junge Weltwanderer, die nach einer Alternative zu ihrem bisherigen Leben suchten. Sie kommen in Pilarskis Interviews ebenso zu Wort, wie die Vorwendebürgermeisterin, die nach der gesellschaftlichen Transformation mehr Wahlstimmen bekam als je zuvor, oder die Nachfahren der früheren Gutsbesitzer, die sich brüderlich uneinig sind, ob um den Familienbesitz gekämpft werden sollte. Viele Geschichten sind unter dem Erzählten, die wahrscheinlich schon lange von Mund zu Ohr getragen wurden, ehe sie auf das Papier gelangten. Aber auch in der Literatur, im Internet und in Archiven tat Pilarski sich um.
Zum Charme des 48 Seiten starken Bändchens gehören auch die Porträtaufnahmen der Gesprächspartner und jene blassen, unscharfen Gruppenbilder und Schnappschüsse, die dem Wissenden einen Stoßseufzer entlocken: ach, damals. Und die immer ein Stück Alltagsgeschichte erahnen lassen, ein Lebensgefühl, nah und fremd zugleich.
Eine Zeittafel hätte dem Büchlein gut zu Gesicht gestanden. Statt dessen finden sich zwei Hände voll Anzeigen ansässiger Unternehmer und Vereine. Es ist eben ein lebendiges Dorf, das lieber nach vorne schaut.

Henry-Martin Klemt
Fred Pilarski, „Wulkow – 650 Jahre zwischen Wildbirne und Wilhelmshof“, Edition KopfWeide