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Friedrich Gregor Hartmetz Kapke Mausolf Schleyer



Ingrid Hartmetz

Fremde Deutsche zwischen Hoffnung und Entwurzelung

Porträtausstellung in Frankfurt

Mit seinem Begehren einer begrenzten Zureise von Auslandsdeutschen hat Oscar Lafontaine kürzlich Gespür bewiesen. Die Lobby dieser Gruppe ist in breiten Schichtender Bevölkerung noch kleiner, als die der Politischen und Kriegsflüchtlinge. „Die tun nur so, als ob sie Deutsche wären“, meinen nicht wenige, und diese Anmaßung vom eigenen Stamme zu sein, scheint manchem schlimmer als das Elend der Hungerleider aus der dritten Welt.
Dabei wird gern übersehen, daß die „dritte“ Welt heute am Bug beginnt, ganz abgesehen von den tatsächlichen Befindlichkeiten beispielsweise der Rußlanddeutschen. Mit der Erfüllung eines lange gehegten Traumes ist der Traum nicht selten zerstoben, weicht er einem Gefühl der Entwurzelung. Alte Frauen sehnen sich nach Formen der Seelsorge, wie sie sie in der russischen Kirche erlebten, jüngere sehnen sich nach einer Arbeit, in der sie Anerkennung finden, nach sozialer Integration.
Die Regionale Arbeitstelle für Ausländerfragen (RAA) Brandenburg hat deshalb verschiedene Projekte ins Leben gerufen, den rußlanddeutschen Aussiedlern zu helfen. Dazu gehört der schulbegleitende Nachhilfeunterricht ebenso wie eine Dokumentation der Lebensverhältnisse Rußlanddeutscher in Brandenburg, für die eine ABM-Stelle geschaffen wurde und deren Ergebnis eine Wanderausstellung ist, die derzeit in der Frankfurter Galerie B. gezeigt wird.
Die Fotografin Ingrid Hartmetz hat sich in der Oderstadt zwei Jahre lang mit den rußlanddeutschen Aussiedlern beschäftigt, hat erfahren, daß es beileibe nicht nur wirtschaftliche Not ist, die viele aus ihrer Heimat vertreibt, sondern auch der Verlust der Muttersprache und der eigenen Kultur in einer nationalistisch dominierten Politik ehemaliger Sowjetrepubliken. Manchen Nachmittag hat Ingrid Hartmetz mit älteren Leuten zusammen auf der Bank gesessen, ihren Geschichten gelauscht, mit ihnen Lieder gesungen, Tonbandprotokolle angefertigt, Anteil genommen am ausgeprägten Gemeinschafts- und Familiensinn der Zuwanderer. Zwei Gruppen rußlanddeutscher Jugendliucher betreute sie bei der fotografischen Eroberung ihres Alltags in Deutschland. Diese Bilder, ebenfalls in der Ausstellung zu sehen, spiegeln momentane Empfindungen wieder, Alleinsein oder Zuflucht im engeren Kreis suchen, Ansätze der Integration oder - zumindest vorläufiges Inseldasein. Dieser Blick ist nicht nur unbefangener, sondern häufig auch in die Perspektive gerichtet, auf bislang genährte Hoffnungen.
Dagegen erzählen die sehr genauen Porträts der Fotografin, die sich bereits seit Jahrzehnten sozial brisanten Themen stellt, vor allem die Lebensgeschichten in den Gesichtern dreier Generationen. Es ist ein visueller Erfahrungsvergleich, face to face, ohne Ausflüchte und in dieser Weise nur durch großes gegenseitiges Vertrauen möglch. Es sind Bilder, die über das Gewohnte hinausweisen, die daran erinnern, was jenseits eigener Daseinweise vollzieht, und die den Betrachter deshalb beunruhigen können. Namen und Orte sind entbehrlich; jedes der Gesichter spricht für viele unbekannte mit.

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