Kapke
Akt-Fotografie gegen visuelle Umweltverschmutzung
Es ist den Bildern von Mathias Kapke nicht anzusehen, dass er sich erst seit vier Jahren intensiv mit der Fotografie beschäftigt. Ein Gemeinplatz für jemanden, der seine Werke öffentlich in Frankfurts Kulturkneipe, dem „Gleis 1“, vorstellt, aber Kapke hat es in dieser Zeit nicht nur zu einer bemerkenswerten Intensität des künstlerischen Ausdrucks gebracht, sondern sich auch noch einem der schwierigsten Genres gewidmet: der Aktfotografie. Das verdankt er kaum den eifrig besuchten und letzthin selber geleiteten Workshops zum Thema, sondern seinem Auge und der ästhetischen Selbstsicherheit, die er mit seinen in Chamois gehaltenen Schwarzweiß-Aufnahmen an den Tag legt. Sehr bewusst bemüht der 38-jährige einen fotografischen Konservatismus, um sich von Fleischbeschauern aller Art abzusetzen. Die wide spread open legs überlässt er gern der Medien- und Werbewelt, und Vernissage-Laudator Peter Sottmeier rühmte denn auch den Beitrag Kapkes gegen die „visuelle Umweltverschmutzung“. Kapke sucht die Ruhe im Sturm, die gegenseitige und die Selbstvergewisserung in der Berührung, die flimmernde Spannung des Augenblicks, das erotische Spiel. Er zitiert Wahrnehmungsweisen vergangener Jahrhunderte und Jahrzehnte und vergisst dabei nie, dass Licht und Schatten die Grundwerkzeuge des Fotografen sind. Seine Detailaufnahmen sind Hommage an die göttliche Ungerade. Seine Porträts führen die Modelle nicht vor, sondern lauschen der Sprache, dem Gesang des Körpers nach. So vermittelt die Inspiration dieser Bilder sich weiter, und dies bei weitem nicht nur einem männlichen Publikum. Bis Ende März ist die Ausstellung im „Gleis 1“ zu sehen.
2003