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Gundermann und Baez in Frankfurt

Lieder für hungrige Herzen

Als Hoyerswerda noch nicht zum Synonym für Fremdenfeindlichkeit geworden war, sang der Liedermacher und Bergmann Gerhard Gundermann über die Braunkohlestadt: "Hoywoy, dir sind wir treu" und kreierte mit einer spröden Liebeserklärung ein Kultlied über die Lausitz hinaus. Am Dienstagabend in der ausverkauften Frankfurter Frelichtbühne sang er wieder über seinen Ort, leiser, mit unpathetischer Betroffenheit. Um die Gleichheit der Menschen in der "Maschinistenfarm" ging es da, üum üihre Austauschbarkeit, ihr ereignislos zäh dahinfließendes Leben. "Und schlief der Janek mit der Frau vom Klaus - alles gleich. Hier sehn ja alle aus wie Klaus - alle gleich."

Gundermann und Seilschaft begehren auf gegen Nostalgie und Pessimismus, aber die Wut scheint der Gelassenheit gewichen und die Ironie kehrt sich immer öfter auch gegen sich selbst. Noch richtig tanzen und flennen können, die Pistole mit dem letzten Schuß unterm Kirschbaum vergraben, im Niemandsland zu sich selber finden - die Verletzungen und verletzbaren Utopien Gundermanns treffen sichtlich auch die "hungrigen Herzen" seiner Zuhörer.

Nicht minder die Balladen von Joan Baez, die auf ihrem letzten Album sang: "Du mußt mich nicht rückwärts spielen, um meinen Vers zu verstehen". Alterslos wie ihre Lieder scheint uch die Amerikanerin selbst, wenn sie mit ihrer Band die alten Woodstock-Balladen spielt, mit dem Ex-Dissidenten Okudshawa an den Ex-Dissidenten Walesa erinnert oder mit Blowing In The Wind an den Krieg in Bosnien. Wenn ihre virtuosen Begleiter die Bühne verlassen, zelebriert sie A capella Joplins "Bobby McGee" oder schiebt das Mikrofon ganz beiseite, singt in die atemlose Stille der Mitsommernacht hinein - es ist wie ein Gebet, die Hiesigen zu ermuntern, wach und einander treu zu bleiben. Im Flamenco-Rhythmus erinnert sie ihre unübersehbare spanische Abkunft, erweist den Ostdeutschen ihre Reverenz mit Bettina Wegners "Sind so kleine Hände" und singt schließlich nach den standing ovations und einigen Zugaben mit dem Publikum "Sag mir, wo die Blumen sind".

Nach solchem Konzert leeren sich die Reihen nur langsam. Nicht nur die Autogrammjäger und die eben noch Tanzenden verharren an der Bühne. Man mag nicht so einfach auseinandergehen. Und das ist wohl auch die Botschaft von Gundermann und Baez.