Mutmacher kommt wieder
Viehweg begeisterte im Schuppen-Theater - 1997
Im Frankfurter Theater im Schupppen war kürzlich der Berliner Liedermacher Frank Viehweg zu erleben. Mit seinem Programm "Liebeslieder nach zwölf" erwies er sich nicht nur als feinfühliger Barde mit einer klaren und sicheren Handschrift, sondern auch als Mutmacher, der Optimismus nicht aus einer verklärten Wirklichkeit schöpft, sondern aus der immer und überall möglichen Erfahrung zwischen zwei Menschen, ihren Träumen, Hoffnungen und Utopien. Ob er über die Geliebte in Barcelona singt oder über das Mandelaugen-Zigarettenmädchen in Berlin, über die zufällige Abteilnachbarin im Zug oder die schwangere Freundin - jedes Lied ist wie ein tiefer Blick in die Augen seines Gegenüber. Noch "zu werden, wer wir waren", das ist seine eigene große Utopie, die nicht nur über die persönliche Biografie einen Bogen spannt, sondern auch über Jahrhunderte und Kontinente hinweg.
Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt Viehweg sich auch intensiv mit Künstlern und Schriftstellern aus Lateinamerika. Seine erste CD, die unter dem Titel "Der Sture" bei Nebelhorn/Buschfunk erschien, enthält Lieder von Silvio Rodriguez, der bei seinen Konzerten in der spanischsprachigen Welt Stadien füllt und Hitparaden erstürmt. Vielleicht, weil Poesie bei Rodriguez und seinesgleichen Bestandteil intellktuellen Denkens ist, keine Kunst-, sondern eine Wahrnehmungs- und Lebensform. Vieles davon ist auch in Viehwegs künstlerisches Credo eingeflossen. Was wunder also, wenn er sein Publikum von Anfang bis Ende zu begeistern verstand.








