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Mutmacher kommt wieder Fernab vom Schneelfrass der Moderne Gegen alle Kriege und für dich Erfindung eines neuen Wortes Liebeslieder nach zwölf Verschwunden ohne Spur Lieder vom ersten Anfang



Lieder vom ersten Anfang

Lieder vom ersten Anfang

So lange zwei Menschen miteinander das leben können, wovon sie träumen und worauf sie für die Menschheit hoffen, ist niemand verloren. Zwei retten immer die Welt. Aber was, wenn sie scheitern, die alles an ihre Liebe banden, als an ein Zeichen, das zu hüten sie berufen waren?
„Letzte Chance„ ist der vielleicht intimste Gedichtband von Frank Viehweg. Er macht diese Liebe und dieses Scheitern zum Thema. Die Lieder des Verlustes stehen nicht über den Dingen. Die Hilflosigkeit ist nicht beschrieben, sondern durchlitten. Zuweilen kranken die Lieder am Kranksein des Verlassenen, gerade in jenem Kapitel des Bandes, der „Verloren„ heißt. Trauer und Wunsch und Klage trachten danach, eine Parallelität des Erlebens zu verlängern, die nicht mehr existiert. Das Verbindende zwischen Ich und Du zerrinnt zur Fiktion. Wie sonst alles hineinfloss in die erwiderte Liebe, ergießt es sich jetzt in den Schmerz. Einer rettet nicht einmal sich selbst.
Zugleich ist das bei NORA edierte Buch eine Wiederbegegnung mit den schönsten Liebesliedern des Berliners aus den vergangenen Jahrzehnten. Liebe bedeutet dem Sänger, "mich dir in den Rätseln beigeselln". Staunen können und lieben können haben immer miteinander zu tun. Durch die Augen des andern wird alles neu: die Rambla in Madrid, Paris, wie singt von der rebellischen Zeit der Kirschen. Den Wundern aufhelfen, die von sich selber nichts wissen, ist Dichters Art. Und immer vergewissert er sich seiner Geschwister, mögen sie Benedetti heißen oder Nohavica, Chagall oder Rodriguez. Selbst mit den Augen des anderen Liebhabers sieht er seine Geliebte, fürchtet, hofft, die Blicke gleichen sich. Erotisch wird so nicht nur die Liebste von der Nasenspitze bis zur Scham. Erotisch werden die Dörfer Böhmens und der blaue Luftballon, der aufsteigt aus einer Demonstration am Brandenburger Tor, der weihnachtliche Obstsalat und die Sternschnuppenzeit am märkischen See. Liebende finden einander in allen Dingen. Sie können jeden Krieg aussperren aus ihrer Umarmung und jede Gewöhnung, ohne die Bedrohung zu vergessen. So bleibt Liebe der gewagte Sprung aus der Wirklichkeit in die gelebte Utopie. Wie Piktogramme wirken die wenigen Illustrationen von Franz Viehweg, Sohn des Sängers, in dem Buch. Schwere Menschenwesen, die sich gerade erst zu erfinden beginnen. Davon singt der Vater, ein um das andere Mal. Und noch die letzte Chance ist nur der erste Anfang.

Henry-Martin Klemt

Frank Viehweg, "Letzte Chance - Liebeslieder", NORA, ISBN 3-86557-055-0, Paperback, 118 Seiten

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