Frank Viehweg
Frank Viehweg
Er gehört zu den herausragenden Liedermachern seiner Generation. Er ist im besten Sinne ein Lieder-Dichter, der seine Sprache an großen Vorbildern seines Genres in Europa und Lateinamerika geschult hat. Unbescheiden lediglich in seinem künstlerischen Anspruch, ist er auf erfrischende Weise frei von allen Eitelkeiten des Showgeschäfts. Seine erste CD "Der Sture" spielte er nicht mit eigenen Stücken ein.
Er präsentierte sich mit kongenialen Nachdichtungen der Lieder eines seiner Vorbilder: des Kubaners Silvio Rodriguez. Noch bevor Viehweg erstmals seine eigenen Lieder auf Platte vorstellte, legte er die meisten davon bereits in Buchform vor. "Kein wirkliches Ende" enthält Lieder-Verse von 1981 bis 1991. "Liebeslieder nach 12" gab der aktuellen Scheibe den Titel. Die größte Utopie und die am ehesten zu lebende zugleich ist dem 40jährigen noch immer die Liebe. Eine Liebe allerdings, die immer mehr zueinander bringt als zwei Begierden. Eine Liebe, die Menschen verbindet und zum Frieden fähig macht.
Viehweg ist ein Mutmacher, ein zornig Liebender im Krieg, der zwischen den Geschlechtern, zwischen den Generationen, zwischen Oben und Unten tobt. Er ist ein Mann, der nach Hoffnung sucht und sie weitergibt, wann immer er sie findet. Auch noch um "fünf nach zwölf": "Kann doch sein, dass wir uns lieben / noch in dreimal hundert Jahren. / Kann doch sein, dass wir nicht sterben, / Tod und Teufel nichts vererben / und noch werden, wer wir waren." Kinder sind ihm "ein Grund für die Welt". Umgekehrt ist die Abwesenheit der Geliebten zugleich die größte Bedrohung für den Einzelnen: "Wenn du schläfst, bin ich allein", "wenn du fort bist, entgleisen die Züge", "die ganze Welt gerät mir aus den Händen, wenn deine Hände mich nicht mehr berührn". Nähe wird zur Lebens-Bedingung, die Viehweg einfordert - aus Erfahrung. Mit Anfang zwanzig flog der junge Liedermacher und Soldat aus der Armee, der SED, der FDJ wegen seiner Verse. Statt zu studieren, wurde er Hilfsarbeiter, sortierte Bücher im Magazin der Berliner Staatsbibliothek.
Dass er darüber nicht resignierte, ist nicht allein der Zähigkeit und materiellen Genügsamkeit des Norddeutschen zuzuschreiben. Doch für eine Opferattitüde war er sich nach der Wende zu schade.Viehwegs musikalische Umarmung schließt die Anarchistin Anaclara ebenso ein, wie die Huren in der spanischen Rambla oder die vietnamesische Zigarettenverkäuferin an der Schönhauser Allee. "Irgendwann werden wir ein neues Wort erfinden zwischen Abhängigkeit und Schuld, zwischen Herrschaft und Besitz; Liebe ist etwas anderes", schreibt Viehweg. Zärtlich, aber nicht sentimental, leidenschaftlich, aber nicht lärmend, kraftvoll ohne Aggressivität - so setzen Viehwegs Lieder sich im Kopf fest.
In den Liedern des Berliner Dichters und Sängers Frank Viehweg haben Träume ihren festen Platz. Nicht als abgefingertes Klischee, auch nicht als Ort der Weltflucht. Die Träume von denen Viehweg zur Gitarre sing, werden gelebt. Manchmal von wenigen. Manchmal nur von zweien. Manchmal sind sie auch Brücke zum gegenseitigen Verständnis, über einen amorphen Alltag hinweg, über Masken und Tünche. Viehweg spricht das Fragwürdige, sich selbst in Zweifel ziehende aus, wie es Freunde, wie es Liebende untereinander aussprechen. Wenn er bekennt, "hier, wo ich lebe, komm ich nicht mer an", verbirgt sich dahinter weniger Resignation als das beharrliche Festhalten an Einsichten, die sich in der "Demokratur" des Geldes nur schwer verteidigen lassen. "Nimm es nicht hin", bittet er seinen Zuhörer für den Fall, dass er selbst einmal bginnen könnte, die Welt wie ein Grundstück zu vermessen.
Unerträglich wären die pausenlosen Unerträglichkeiten erst, "wenn nicht deine Hand wär und nicht wie ein Strand wär, wo ich stranden kann..." Das Geheimnis seiner Lieder ist ihre Kraft ohne Aggression, ihre Leidenschaft ohne Besitzgier, ihre Abgrenzungsfähigkeit ohne verbales Schlachten. Derzeit bereitet der Liedpoet eine neue CD vor, seine dritte nach "Der Sture" mit deutschen Nachdichtungen von Liedern Silvio Rodriguez` und den "Liebesliedern nach 12". Auch eine Reihe von Lieder- und Gedichtbänden hat Viehweg inzwischen herausgegeben, zuletzt brandneue - und singbare - Nachdichtungen von zwei Dutzend shakespearscher Sonette, die nichts von ihrem Glanz und ihrer Aktualität eingebüßt haben.















