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Pflanze im Hofeck



Pflanze im Hofeck

Jens Gerlach (1926 bis 1990)

PFLANZE IM HOFECK

ein dutzendwas ich weiß den namen nicht
nur daß es biegsam ist und zäh
und unersättlich giert nach wärme und nach licht
den keim trug irgendwann der blinde wind
ins dunkel auf den letzten schnee
wo alles endet und allein das nichts beginnt
die ranke aber wand sich durchs gestein
durch bretterwand und maschendraht
kein umweg war zu lang für wärme nahrung schein
so wär ich gern der oft im finstren liegt:
ganz glaubenslos ganz gier und tat
und trotz und wegen meiner schwäche unbesiegt

Jens Gerlach

Vaterland II

Dein name ist gelöscht
Wie nenn ich dich mein vaterland?
Ich krall mich in der erde fest:
Was halt ich in der hand?
Mein haus ist hier mein herz ist dort
Ich hatte ein zuhaus
Ich irr durch eine schattenwelt
Und kenn mich nicht mehr aus
Kein horizont verheißt ein ziel
Die straßen bleiben stumm
Ich trink und eß und schlaf und wach
Das heimweh bringt mich um
Ich schau nicht rückwärts dort ist nichts
Doch was ist vorn?:
Ein berg zum bersten angefüllt
Mit scham und zorn

Vaterland III

Mein vaterland wird immer in mir dauern
Die landschaften die wetter und die namen
Die sprache auch ein festgefügter rahmen
Die stämme einend gut getrennt durch mauern
Denn immer noch erinnerndes erschauern
Der völker rings die knapp dem tod entkamen
Vor dem vergangenen und seinem samen
Wo wird und wie das unheil diesmal lauern
Und doch ist es mein vaterland geblieben
Ein quell ein strom von unschätzbaren schätzen
Ein himmelshöllentor glück und entsetzen
Barbarenschrei und klänge hellster sphären
Der rausch des todes und der rausch der ähren
Ach vaterland vermag denn haß zu lieben