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Maik Altenburg

Maik Altenburg

Foto: Henry-Martin Klemt

Wo liegt der Ort Ichbins?

Die Frankfurt-Gedichte von Maik Altenburg gehören zu den schönsten Frankfurt-Gedichten, die ich kenne, und zu den schönsten Gedichten, die ich von Altenburg kenne. Der pas de deux von Kommune und Citoyen (oder doch Communarde?) scheint geglückt, obwohl gerade das der Stadt und ihren Bewohnern um so schwerer zuzutrauen ist, je länger man mit ihnen lebt.
Wie siedelt man sich auch an zwischen dem öffentlich gerühmten Zentrum Europas und dem heimlich geschmähten Arsch der Welt? Wo ist der Ort Ichbins? Es gibt keine spannendere poetische Frage. Altenburg sucht keine einfachen Antworten. Nur verständliche. Für ihn liegt Frankfurt zwischen Wladiwostok, Wittstock und Woodstock. In Wladiwostok, was soviel heißt wie „Beherrsche den Osten“, endet die Transsibirische Eisenbahn. In der deutschen Provinz wurden einst Panzer verladen, um aus dem heißen Frieden fortgeschafft zu werden. Die lagerfeuerheiseren Gesänge aber hört Altenburg manchmal noch. Im Kopf, wenn die Schläfenader wummert bei der Flucht mit dem Rad: „ich muss hinaus die stadt ist eine gruft“.
Sobald einer jenseits von Bildern der jeweils neuen Zeiten „den hellen Fleck“ an der Wand erblickt, widerstreiten Hoffnung und Untröstlichkeit. „Frankfurt bleibt kühl“ wie eine Pistolenkugel vor dem Abschuss, weiß Altenburg seit Kleist, „und wo es wärmt, ist Mief“. Doch weil er beides zulässt, mischt es sich zu einem liebevollen Sarkasmus. Hier hat er seine „herzen in schnee gepinkelt und sterne“. Verse sowieso, „eine fußschrift, als sei / eine krähe über das blatt gelaufen / und wiedergekehrt, jahr um jahr“.
An Grenzen macht einer wie der nicht halt. Nicht an denen des Landes, schon gar nicht an den eigenen. Er schreibt sie um. Vielleicht ist der Fluss daran Schuld. Altenburg hat ihn fast immer im Blick, und sei es aus den Augenwinkeln. Von Ufer zu Ufer. Welches ist die andere Seite?
Der Dichter ist nicht auf den Mund gefallen; er hat nur die Erde geküsst. Und er redet uns nicht vom päpstlichen Pathos der Geste, sondern sagt, was seine Lippen schmecken, was seine Nase riecht, was seine Augen sehn. Frankfurt bleibt ihm Kulisse des Universums. Lächelnd den Schritt dahinter zu wagen, lädt er uns ein.