Maik Altenburg
Geboren 1964 in Frankfurt(Oder). Kind, Schüler, Schlosser, Abiturient.
Soldat. Student. Erzieher. Instrukteur für Kultur und Sport. Heimleiter.
Angestellter in der Tätigkeit eines Sozialpädagogen. Betriebsrat. Betriebsratsvorsitzender.
Bildungsbegleiter. Fachgruppenleiter Berufsvorbereitung und berufsbegleitend online-Fernstudent der Sozialen Arbeit. Ziel: zunächst Bachelor of Arts Soziale Arbeit. (BASA)
Liest seit 1969, schreibt Gedichte, Geschichten seit 1978, ist mehrfach veröffentlicht und erhielt mehrere Preise.
Lebt und arbeitet in Frankfurt(Oder).
Lob des Unfertigen
Zur Preisverleihung 1997 in Potsdam
Bereits zum dritten Mal vergab das Literaturkollegium Brandenburg am Wochenende in Potsdam seinen jährlich ausgelobten Literaturpreis. Die Jury entschied sich unter 71 anonymen Einsendungen für eine Auswahl von Gedichten des Frankfurter Lyrikers Maik Altenburg und zwei Kurzgeschichten des Schriftstellers Manfrd Richter aus Groß Glienicke. Die Ehrungen waren mit jeweils 1000 Mark dotiert.
Der Jury ging es bei ihrer Entscheidung weniger um "innovation als Wert an sich", wie Jurymitglied Ingeborg Arlt sagte. "Auch die Gaskammern des Dritten Reiches waren eine Innovation. Nur die Moral, die mit den Mitteln der Kunst postuliert oder verteidigt wird, ist - unter Umständen - förderungswürdig." Überdies sei der Wert der Sammlung nicht zu unterschätzen, die nötig ist, um Literarisches zu Papier zu bringen - dies umsomehr, als "wir täglich von einer Unterhaltungsindustrie umworben werden, die auf Zerstreuung aus ist".
In Altenburgs Gedichten sind seine unmittelbare Heimat - Frankfurt (Oder), die deutsche Grenze, das nahe Polen - ebenso präsent, wie die Menschen in dieser Landschaft. So schrieb er über einen Grenzpflahl an der Oder: "der steht,. wo deutschland endet / und steht wo deutschland beginnt / der steht wo der wanderer wendet / und der fliehende land gewinnt." Seine Preisrede im Potsdamer Alten Rathaus stellte Altenburg unter das Motto, das auch seine eingereichten Texte trugen und das wie ein Credo für die Arbeit des 33jährigen Betriebsrates wirkt: "Ich bin noch nicht fertig".
"Wenn Vollendung der inneren Einheit Deutschlands heißt, daß eine Seite allen einmal Gedachten Gedanken abschwört und nur noch in den Kategorien und Klischees der anderen Seite denkt, dann ist das nicht Einheit, sondern Vereinnahmung. Dazu bin ich nicht bereit", erklärte Altenburg. So begibt er sich in seinem Alltagsleben wie in seiner Kunst gewollt und engagiert in Konflikte und Widersprüche hinein.
Dazu gehört die beim Hochwasser ein Stück weit realisierte Vision von einer um den Schutz der Umwelt kämpfenden Armee, die sich - wie Altenburg erinnerte - bereits in einem Vorschlag von 1988 findet, als Schriftsteller aus Frankfurt (Oder) dem damaligen DDR-Verteidigungsminister Heinz Keßler vorschlugen, eine deutsch-deutsche "ökologische Eingreiftruppe" zu schaffen, um verwüstete Truppenübungsplätze in Ost und West wiederherzustellen und als internationaler Katastrophendienst zur Verfügung zu stehen. Dazu gehört aber auch, daß der erste Kampfeinsatz der Bundeswehr nach dem Krieg ausgerechnet am Himmel über dem Balkan stattfand.
Altenburg erinerte aber auch an die fünfjährige Arbeit des Deutsch-polnischen Literaturbüros Oderregion mit seiner zweisprachigen Zeitschrift "Die Fähre/Prom" und der Frankfurter Interessengemeinschaft junger Autoren, zu deren Mitbegründern er gehört und deren Förderung des literarischen Nachwuchses mangels finanzieller Mittel inzwischen zu einer ausschließlich ehrenamtlichen Beschäftigung geworden ist. "Ehrenamtliche Arbeit kostet Zeit und wird nicht bezahlt. Sie ist unbezahlbar", so Altenburg. Das Projekt mit den jungen Autoren, auch am anderen Oderufer, will er dennoch nicht aufgeben. "Wir haben eine immense Verantwortung für das zukünftige Europa", bekennt der Autor. "Wir müssen diese Verantwortung mitübernehmen, sonst bleibt die Idee von einer friedlichen und kooperativen Nachbarschaft nur eine Vision."

