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Finowfurt

Ein bisschen mehr als altes Blech

Der Erlebnispark Luftfahrt und Technik in Finowfurt wächst weiter

Der Erlebnispark Luftfahrt und Technik in Finowfurt steht nicht nur für Geschichte, sondern auch für den Pioniergeist und den Mut zum unternehmerischen Handeln - allen denkbaren Widernissen zum Trotz. Die Sammlung ziviler und militärischer Luftfahrzeuge, die hier entsteht, ist einmalig wie das Engagement von Dr. Klaus-Peter Kobbe und seinem Verein. Als in den 90er Jahren tonnenweise Triebwerke und sogar wertintensive Schnittmodelle auf den Schrottplätzen landeten, weil sich in der vereinigten Bundesrepublik niemand dafür verantwortlich fühlte, gingen Kobbe und seine Mitstreiter los und sammelten sie wieder ein - als herausragende ingenieurtechnische Zeugnisse und lebendiges Anschauungsmaterial. Als auf den zu Flugzeugfriedhöfen mutierten Militärbasen der Rost eine Armada von Flugmaschinen eroberte, machten sich Kobbe und Co. auf den Weg zu den Jaks und Migs, aber auch zu den ausgemusterten Iljuschins und Antonows. „Keines der Flugzeuge, die wir zeigen, hatte ursprünglich hier seinen Platz“, erläutert Kobbe. Jede Maschine wurde auf mehr oder weniger langem Weg her transportiert. Heute erfreuen sich daran nicht nur Militär- und Flugbegeisterte. Der alte Polizeihubschrauber beispielsweise gibt auch eine hervorragende Filmkulisse ab. Studenten der Filmkunst etwa, die mit schmalem Budget ihre Arbeiten drehen, wissen das zu schätzen. Die Faszination des Fliegens erfasst ohnehin am stärksten jene, die nie selbst einen Steuerknüppel in der Hand hatten. Dr. Kobbe weiß das. Auch er ist nicht Pilot, sondern leidenschaftlicher Sammler, Bewahrer und Erklärer dessen, was hier zu sehen ist.





„Ein bisschen mehr als altes Blech ist das schon“, meint der Initiator der seit 15 Jahren wachsenden Sammlung. Dafür hielten es wohl jene, die seinerzeit über die Förderwürdigkeit des Projektes entschieden. „Heute sind wir froh, dass wir kein Geld bekommen haben. So hängen wir nicht am Tropf der öffentlichen Hand, wie so viele andere.“ Jedes Jahr bestätigen 30 000 bis 40 000 Besucher das öffentliche Interesse - da ist das Urteil der Ämterbürokratie eher entbehrlich. Wer will, kann sich auch einmal an die Trainingsgeräte für Piloten wagen, die den Gleichgewichts- und Orientierungssinn auf die Probe stellen. Nicht minder interessant, gerade für die jüngeren Gäste, ist das Innenleben der Maschinen, Cockpits-, Fracht- und Passagierräume, aber auch Simulatoren und Kommandostände. Kraft demonstriert Dr. Kobbe, wenn er eine Miniturmine hochfährt, die eigentlich nur als zusätzliches Steuerelement in strahlgetriebenen Maschinen fungiert, aber für den Laien einen höchst beeindruckenden „Gesang“ vernehmen lässt.

Museale Arbeit, die Schaffung eines attraktiven touristischen Infotainment-Angebots und die seit zehn Jahren währende Trägerschaft sozialer Projekte bilden die Säulen der Vereins-Tätigkeit. „Langfristig wollen wir mit diesem kulturellen und historischen Glanzlicht der Region auch feste Arbeitsplätze schaffen“, so Kobbe. Doch nicht immer stoßen die historischen Erkenntnisse der Finowfurter auf Gegenliebe. Ihr Nachweis etwa, dass es deutsche Kampfflieger waren, die Eberswalde 1945 zerstörten, passt nicht ins Bild mancher Luftwaffenleute. Wie die Sowjetunion zu ihren Spitzenleistungen im Bereich der Triebwerkstechnik kam, gefällt manchem nicht, der die Ursache in einer wundersamen moralischen Überlegenheit sehen möchte.

Wer sich zu Henning Lueg in die AN 2 setzt, die hier auf Anfrage startet und landet, um die Landschaft einmal aus 300 Meter Höhe zu erkunden, sieht nicht nur das berühmte Schiffshebewerk Niederfinow, sondern auch die militärische Zersiedlung dieses Landstriches, in dem Bunkerkolonien, geheime Tank- und sonstige Lager noch heute an heißen und kalten Krieg erinnern. Zugleich erlebt der Fluggast eine Landschaft mit ganz eigenen Reizen, Seen und Kanäle, Wälder und Ackerbauflächen. In Finowfurt aber ist aber auch Platz für den auf jedem ehemals russischen Armeegelände unverzichtbaren, grob in Stein gehauenen Lenin. Und es ist Platz für einen Gedenkstein, der an jene erinnert, die in Zeiten der Ost-West-Konfrontation lieber in den Tod stürzten, als ihre Maschine auf ein Berliner Wohnviertel niedergehen zu lassen.

2005